Webzine n°56. November 2000
Liebe EUROCIRCLE - PARTNER,
Staatspräsident
Chirac hatte gehofft, im Seebad Biarritz nahe der spanischen Grenze die Reform
der Europäischen Union voranzutreiben, einen Zeitplan für die EU-Osterweiterung
und ein Datum für den polnischen Beitritt zur Union festzulegen.
Aber der Sondergipfel begann
ausgerechnet am Freitag, dem 13. Oktober, die letzten Morde der baskischen Separatistenorganisation
Eta machten umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen notwendig; die Diplomaten stöhnten,
da die Ereignisse in Israel und Jugoslawien den Gipfel überschatteten und
daß sich die Dänen gegen den Euro ausgesprochen hatten, trug ebensowenig
zu Gipfelfreuden bei. Zudem hatten Deutschlands Außenminister Joschka
Fischer, Jacques Chirac und zuletzt auch der Brite Tony Blair bereits vor dem
Treffen ihre eigenen europäischen Visionen präsentiert und nur die
größten Optimisten sahen dabei etwas zusammenwachsen, was zusammengehört.
Ein bescheidenes Fazit zog
nun der Gipfelchef Chirac, wenn er konstatierte „Es gab wirkliche Fortschritte.
Alle sind entschlossen, in Nizza zu einem inhaltsreichen Vertrag zu kommen."
EUROCIRCLE bestreitet zwar
nicht diese Entschlossenheit, sah allerdings in den entscheidenden Bereichen,
nämlich
- der Ausweitung der Mehrheitsentscheidung,
- der Frage der Anzahl von
EU-Kommissaren bei Aufnahme neuer Mitglieder und
- der Stimmengewichtung
im EU-Ministerrat
im Gegensatz zum französischen
Staatspräsidenten keinen wirklichen Fortschritt, der eine Annäherung
zwischen den Mitgliedstaaten in diesen Fragen gebracht hat.
Dagegen wurde erwarteterweise
mit großem Beifall der Entwurf der EU-Grundrechtecharta von den Staats-
und Regierungschefs aufgenommen und somit die Weichen für die feierliche
Proklamierung der aus 54 Artikeln bestehenden Liste der Grundrechte der EU-Bürger
auf dem nächsten EU-Gipfel in Dezember in Nizza gestellt. Dort soll dann
das vielgelobte Dokument mit den darin enthaltenen Verboten von Sklaverei und
dem Klonen von Menschen offiziell verabschiedet werden. Der deutsche Bundeskanzler
Schröder setzte sich noch einmal nachdrücklich dafür ein, daß
diese Charta zu einer europäischen Verfassung und damit rechtsverbindlich
werden soll.
Es unterstützt
das schrödersche Insistieren; findet allerdings bei weitem bedeutender,
wenn die nun laufenden under-Cover-Diplomatien zur Vorbereitung eines triumphalen
Abschlusses der französischen Ratspräsidentschaft in Nizza von Erfolg
gekrönt sind,
ihre EUROCIRCLE
-Redaktion