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Webzine n°55. October 2000

Liebe EUROCIRCLE - PARTNER,

Wenn Sie die 55. Ausgabe der EC-News (mit den Schwerpunkten: Jugend, Bildung, Sprachen und Mittelmeerraum) in der Hand halten, gehören die Strafmaßnahmen gegen Österreich der Vergangenheit an und man muß sich fragen, wie künftig mit den Haiders, Le Pens und Berlusconis, einer NPD (sollte diese bis dahin noch nicht verboten sein) oder dem Vlaamse Block umgegangen werden sollte.
Zuerst einmal ist zu konstatieren, daß sich das Vorgehen der vierzehn EU-Länder gegen Österreich als untauglich, geradezu als kontraproduktiv erwiesen hat, da das eigentlich richtige politische Signal einem doppelten Fehler zum Opfer fiel:
Zum einen machte die zwischen den Ländern koordinierte und dann auch noch vom EU-Vorsitz verkündete Aktion den Eindruck, daß hier die mächtige EU gegen das kleine Österreich zu Felde zog, andererseits verurteilten die Regierungen private Boykotte - etwa gegen Skiorte - zu spät und nicht entschieden genug, um den Eindruck verhindern zu können, daß sich die Sanktionen gegen das österreichische Volk richten.
Fazit: die FPÖ triumphierte über die EU, indem sich große Teile der Bevölkerung mit Haider solidarisierten und die von der EU berufenen Weisen der Wiener Koalition einen Persilschein ausstellte. Was lief verkehrt ?
Die nüchterne Antwort ist, daß die Europäische Union (noch) der falsche Ort ist, Auseinandersetzung mit rechten Auswüchsen zu führen. So weit sind in der EU das Gemeinschaftliche und das Nationalstaatliche politisch noch nicht miteinander verzahnt, als daß die Union in Fällen wie diesen nicht in den Verdacht geriete, unzulässig in die inneren Angelegenheiten eines Mitgliedstaates einzugreifen. Die delikate Balance zwischen der Union und ihren Mitgliedstaaten fordert Zurückhaltung; Legitimität zur Einmischung besitzen derzeit nur die einzelnen Länder. Was kann und sollte der EU empfohlen werden:

1. "kontollierendes" Beobachten
Auch und gerade unter Wahrung des Respektes vor der demokratischen Entscheidung eines Volkes kann es zur Aufgabe der EU werden, die konkreten Maßnahmen und Gesetze von Rechtsauslegern a la Haider und Berlusconi - insbesondere was Minderheitenschutz und Antidikriminierung angeht - zu beobachten, zu bewerten und zu veröffentlichen.

2. Stärkung aller demokratischen Tendenzen und Aktionen
Ob es die Einbindung von Organisationen in europäische Projektpartnerschaften, den Austausch von Praktikanten oder die Kooperation zwischen KMUs betrifft; alle Akteure, die für die europäischen Grundwerte eintreten und solidarische und demokratische Aktionen initiieren, sollten von den europäischen Institutionen besonders unterstützt werden.

3. Zutritt zum politischen Salon der europäischen Demokratie verwehren.
Wo es um die unerläßliche Zusammenarbeit im Rahmen der europäischen Institutionen geht, muß geschäftsmäßig gehandelt werden. Doch in den Genuß von Freundschaftsbesuchen, Höflichkeiten oder Ordensverleihungen dürfen solche Leute nicht kommen.
Jospin und Schröder müssen mit einem möglichen italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi über Agrarsubventionen verhandeln, aber sie dürfen keinen Wein mit ihm trinken.
Das mögen nur kleine Gesten sein. Doch die einfachen und klaren sind die wirkungsvollsten - so lange wir es nicht mit Staatsstreichen gegen die Demokratien zu tun haben.
Wir verbleiben mit den besten Wünschen bis zur Novemberausgabe,

 

Ihre EUROCIRCLE -Redaktion