Webzine n°59. Februar 2001
Liebe
EUROCIRCLE - PARTNER,
BSE
hat nach England und Frankreich nun auch die Bundesrepublik Deutschland erreicht.
Deren Kanzler wechselte Minister aus und gewichtete Ministerien neu, während
der Verbraucher die sofortige Beendigung der gefährlichen und unwürdigen
Massentierhaltung fordert .
Nachgefragt bei Agrarkommissar
Fischler erinnert dieser daß erstens die EU-Kommission nicht erst gestern
einen Richtungswechsel eingeschlagen hat... Es steht den Ländern schon
länger frei, besonders umweltfreundliche Produktionsweisen gezielt zu fördern.
Zweitens haben wir mit der Agenda 2000 vorgegeben, daß die Gewährung
jeder Förderung von der Erfüllung allgemeiner Produktionsbedingungen
abhängig gemacht werden kann. Jeder Mitgliedstaat kann selber definieren,
was gute landwirtschaftliche Praxis bedeutet. Drittens konnten wir...auch Anreize
zur Abkehr von einer Intensivlandwirtschaft verankern.."
Fazit: Im europäischen Vergleich gehört vieles von dem, was im rot-grünen
Berlin jetzt als agrarpolitische Wende gepriesen wird, längst zum Alltag.
Die skandinavischen Länder zum Beispiel koppeln die Auszahlung der EU-Direktbeihilfen
für ihre Bauern an die strikte Erfüllung nationaler Umweltstandards.
Frankreich, Großbritannien und Schweden schichten bis zu 20 % der Direktbeihilfen
für die Bauern zu Gunsten von Kleinbetrieben und zur Förderung des
ländlichen Raums um.
Die Agenda 2000 erlaubt auch Herrn Schröder und seiner neuen Agrarministerin
ein unbürokratisches, nationales Umsteuern ohne eine im Kreise aller fünfzehn
Partner mühsam auszuhandelnde neue Agrarreform durchführen zu müssen.
Allerdings kostet dieses Umsteuern die Mitgliedsstaaten zusätzliches Geld:
Während die Direktbeihilfen vollständig von der EU finanziert werden,
gilt für die Programme der ländlichen Entwicklung derselbe Grundsatz
einer nationalen Kofinanzierung, wie bei allen anderen Aktionsprogrammen auch.
Was im Klartext bedeutet, daß die Damen und Herren Finanzminister der
Mitgliedstaaten auf die EU-Subventionen noch einmal den gleichen Betrag drauflegen
müssen. Der EU-Agrarpolitiker und Europa-Abgeordnete Graefe zu Baringdorf
schlußfolgert: ..."Für die erste Stufe einer neuen Agrarpolitik
ist nicht viel mehr nötig, als die Anwendung der Kannbestimmungen, die
die Agenda 2000 bietet".
Der EUROCIRCLE-Redaktion erscheint eine Reflexion dieser Tatsachen angesichts
täglich zu beobachtender Schuldzuweisungen in Richtung Brüsseler Agrarbürokraten"
notwendig. Es verbleibt bis zur Märzausgabe mit herzlichen Grüßen
Der
EUROCIRCLE Kommentar:
POST NIZZA
was
verändert werden muß !
Mehr als
375 Millionen Europäer schauten im Dezember zu recht eher skeptisch auf
ihre 15 ranghöchsten Repräsentanten, die in Nizza unter Donnergetöse
an Volk und Vernunft vorbei eine Maus gebaren.
Trotz aller berechtigten
Kritik: die Proklamation einer Grundrechte-Charta war ein erster wichtiger Schritt
auf dem Weg zu einer Europäischen Verfassung, die nun, und vielleicht diesmal
NICHT unter Ausschluss der Öffentlichkeit, transparent und demokratisch
vorbereitet und stringent umgesetzt werden muß.
Konkret sollte nun
ein Konvent einen Vorschlag erarbeiten, der die Charta als Grundlage für
einen konsolidierten Vertragstext nimmt, in dem Aufgaben, Pflichten, Rechte
sowie die institutionellen Verfahren der Europäischen Union festgeschrieben
sind .
Dieser Vertrag sollte
anschließend einem Referendum, in dem alle repräsentativen Bevölkerungsgruppen
und Interessensverbände vertreten sind, unterworfen werden, damit die Bürger
sich als Legitimationsträger dieser Verfassung verstehen können.
Die EU hat sich längst
von einer Wirtschaftsgemeinschaft mit dem Ziel der Verwirklichung von Frieden
und Wohlstand durch Marktintegration, Marktfreiheiten und Diskriminierungsverboten
zu einer politischen Union mit weitreichenden Kompetenzen entwickelt. Und auch
wenn die europäischen Verträge schon jetzt die Funktion einer Verfassung
erfüllen, ist es für die parlamentarische Demokratie unabdingbar und
nunmehr ein Gebot der Stunde, sowohl die notwendige Transparenz und Bürgerbeteiligung
einzufordern um anschließend die entsprechenden Formalia auf dem Weg zu
einer europäischen Verfassung umzusetzen.
Es bleibt zu hoffen
daß der schwedische Pragmatismus sich auch bei einem Projekt durchsetzt,
das bisher eher kritisch gesehen wurde. Denn da eine Neudefinition bezüglich
der Kompetenzabgrenzung" zwischen der EU den Nationalstaaten und den Regionen
Voraussetzung für einen Verfassungsentwurf ist, müßte diese
Idee den europa-skeptischen Schweden eigentlich gefallen !