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Webzine n°66. September 2001

Liebe EUROCIRCLE - PARTNER,

Die Sommerpause ist vorbei, selbst die EU-Kommission erwacht – wenn auch ein wenig zögerlich – zu neuen Aktivitäten: aus wie gewöhnlich gut informierten Kreisen erfuhren wir, daß die EU bis 2010 eine Freihandelszone mit den Mittelmeeranrainern errichten will. Hierfür leistet das MEDA-Programm vor allem bilaterale Hilfe. Die Partnerschaft agiert zugleich als multilaterales Forum, in dem sich die Konfliktparteien treffen. Mitglieder sind neben Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde 10 arabische Mittelmeerstaaten. Im Zentrum steht die Wettbewerbsfähigkeit der Region. So finanzierte die Gemeinschaft Strukturanpassungsprojekte in Marokko, Tunesien und Jordanien, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in Ägypten, den Wiederaufbau der öffentlichen Verwaltung im Libanon und Grundschulprojekte in der Türkei. Die Europäische Kommission hat im Rahmen des Programms MEDA zwischen 1995-1999 3,435 Mrd. EURO abgerufen und für den Zeitraum 2000-2006 5,35 Mrd. EURO veranschlagt.

Das EC-Team dagegen hat bereits einen ziemlichen Berg in den Ferien aufgelaufener Ausschreibungen, die auf den nächsten Seiten zu finden sind, bearbeitet und sich um das Knüpfen verschiedener transnationaler Netzwerke verdient gemacht:
nach den Ausschreibungen zu e-content und Daphne sind wir im Bereich der lokalen Beschäftigungsinitiativen aktiv geworden und können uns nun um Equal kümmern; Partnergesuche aus den Niederlanden, Italien und Frankreich liegen bereits vor.
In die Sommerpause hinein fiel noch ein anderes freudiges Ereignis:
Die Kommission Permanent des Conseil Général des Departements Bouches-du-Rhône hat auf Ihrer Sitzung im Juli beschlossen, weiterhin unsere Arbeit unterstützen zu wollen und das Partenariat principale mit EUROCIRCLE – diesmal zeitlich unbefristet (!) – verlängert. Wir bedanken uns an dieser Stelle bei dem Präsidenten des Conseil Général, Mr Jean-Noël Guerini und allen Verantwortlichen der Relation International; insbesondere Antoine Rouzeaud, Bernard Gronlier und Pascale Debroas für das uns weiterhin entgegengebrachte Vertrauen und versichern, alles in unserer Macht stehende dafür zu tun, es zu rechtfertigen.
In diesem Sinn verbleibt bis zur Oktoberausgabe mit den besten Wünschen

PS: Glückwunsch nach Göttingen: Dem Büro für Umweltpädagogik (BUP) wurde von der EU-Kommission sowohl ein LIFE-Antrag (mit dem Marseiller Partner Paoli-Calmettes) als auch ein Grundvig-Projekt bewilligt !


EUROCIRCLE-Kommentar:
Richtungsweisend

 

Nach den diversen Nicklichkeiten der letzten Monate und Jahre mehrten sich jene Stimmen, die behaupteten, daß der Motor Europas – die Achse Frankreich/Deutschland – mangels jeglicher Gemeinsamkeit einfach stehen geblieben ist.
Der letzte Höhepunkt war die öffentliche Abfuhr, die der französische Premier Jospin dem deutschen Bundeskanzler und seinen Europavisionen erteilt hat; dies wohl mehr aus (berechtigtem) Ärger über die unkoordinierte Art bezüglich Zeitpunkt und Tonlage dieses Vorschlags, als wegen tatsächlich existierender und unüberbrückbarer Interessensgegensätze.
Das es auch anders geht, beweisen die beiden Landwirtschaftsminister Deutschlands und Frankreich, Renate Künast und Jean Glavany, die sich auf dem überaus kompliziertem Feld einer gemeinsam anzustrebenden Agrarpolitik darauf einigten, selbige stärker an ökologischen Kriterien auszurichten.
Da die Neuausrichtung der europäischen Agrarpolitik "nicht warten kann", soll es künftig zwingend vorgeschrieben werden, Agrarsubventionen abzubauen oder zu Gunsten eines ökologischen Landbaus umzuschichten. Dabei wollen die Minister auch die "Instrumente der ländlichen Entwicklung" anpassen und vereinfachen.
Die Agrarwende soll nach den Vorstellungen der beiden Minister auf EU-Ebene noch weiter abgesichert und dabei das Prämiensystem überarbeitet werden. So sei zu überlegen, "die gegenwärtig geltenden Prämienregeln für die Tierproduktion durch eine einheitliche Grünland- und Futterflächenprämie zu ersetzen". Auf diesem Wege bekämen Großbetriebe mit einem hohen Viehbestand weniger Subventionen von der EU.
EUROCIRCLE wünscht sich einen Agrarkommissar Franz Fischler, der diese Trendwende europaweit umsetzt und ansonsten Politiker, die sich ein Beispiel an Frau Künast und Herrn Glavany nehmen, um zu lernen, wie man kompetent auch mit eher unangenehmen und komplizierten Sachverhalten umgehen kann und en passant einen stotternden Motor revitalisiert!