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Webzine n°70 Januar. 2002

Liebe EUROCIRCLE - PARTNER,

Das Arbeitsprogramm 2002 der EU-Kommission ist ein echter Hammer, der sogar das Arbeitsprogramm des EUROCIRCLE-Teams in den Schatten stellt, obwohl letzteres auch nicht von schlechten Eltern ist. Die Kommission wird:
- Verhandlungen mit bis zu zehn Beitrittsländern führen, versuchen, sie abzuschließen und darüber hinaus beurteilen müssen, ob die Kandidaten die wirtschaftlichen und politischen Kriterien für einen EU-Beitritt erfüllen,
- den Barcelona-Prozess mit den Mittelmeer-Partnern pflegen und sich bemühen die EuroMed-Ministerkonferenz in Valencia im April zum Erfolg bringen,
- die (reale) Einführung des Euro - als historisches Ereignis der europäischen Integration - mit einer engen Koordinierung makroökonomischer Maßnahmen bei der Vollendung des Binnenmarkts im Finanzsektor begleiten,
- bei der Ausgestaltung der Immigrations- und Asylpolitik sowie der gegenseitigen Anerkennung bei der justiziellen Zusammenarbeit Fortschritte machen müssen,
- die Gemeinsame Agrarpolitik zwischenbewerten, eine Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik vorschlagen und die Arbeit der unabhängigen Europäischen Lebensmittelbehörde an-laufen lassen,
- und sich in der Folge des 11. Septembers mit dem Thema der Terrorismusbekämpfung auseinandersetzen.
(Hoffentlich ist es überflüssig, wenn EUROCIRCLE dringlichst daran erinnert, über die Tagespolitik hinaus die EU-Strategie der nachhaltigen Entwicklung weiterzuentwickeln und umzusetzen sowie die Entwicklungszusammenarbeit als Teil der Armutsbekämpfung zu be-greifen.)

Auch das EUROCIRCLE-Team wird in 2002 nicht ganz untätig bleiben: So stehen neben den Alltäglichkeiten, wie die Herausgabe der virtuellen EU-Tageszeitung in französisch und den EC-News in deutsch und französisch, der täglichen Aktualisierung der Website, der Partnerrecherche und der Antragsberatung von Projektträgern aus Bouches-du-Rhone für uns erstmalig die Teilnahme an grösseren EU-Projekten (Equal, e-content) auf der Tagesordnung; ausserdem werden wir einige Eurocircle-Partner bei der Umsetzung ihrer Life-, Sokrates-, Leonardo-, Jugend- und Daphne-Projekte unterstützen. Und das ist noch lange nicht alles, was wir in 2002 zu bewegen gedenken; lassen Sie sich überraschen…!

So wünsche ich Ihnen und uns einen erfolgreichen Jahresanfang und verbleibe mit besten Wünschen bis zur Februarausgabe der News, Ihr

 

EC-Kommentar:

EU-Gipfel in Laeken

Es ist kaum zu fassen: ohne kontroverse Diskussion haben die Staats- und Regierungschefs der EU auf ihrem Gipfeltreffen in Brüssel für ihre Verhältnisse geradezu in Windeseile die "Erklärung von Laeken" verabschiedet, obwohl es sich bei dieser ausnahmsweise nicht um irgendeine Belanglosigkeit handelt, wie sie vom Europäischen Rat in fast inflationärer Weise, produziert wird.
Die Erklärung beinhaltet bei genauerer Betrachtung einen umfassenden Fragenkatalog, der nicht in nationalen Expertenrunden, sondern von einem europäischen, pluralistisch zusammengesetzten Konvent beantwortet werden sollen. Dieses Gremium unter Vorsitz des früheren französischen Staatspräsidenten Giscard d'Estaing hat die Aufgabe, alle wesentlichen Fragen zur künftigen Entwicklung der EU zu prüfen, um im Rahmen eines Abschlussdokuments Lösungsmöglichkeiten anzubieten, die der Folgekonferenz als Basis für eine europäische Konvention dienen soll.
Der Ruf nach einem Konvent kommt nicht von ungefähr, sondern wurde insbesondere nach den verhandlungspolitischen Chaostagen von Nizza immer lauter; insbesondere natürlich von denjenigen Regierungschefs, die für mehr europäisch-verbindliche Rechtsstaatlichkeit eintreten, und darauf hoffen, dass die Ergebnisse des Konvents von der anschliessenden Regierungskonferenz nicht bis zur Unkenntlichkeit verwässert werden können.
Eine Wette auf derartige gruppendynamische Prozesse möchte man allerdings nicht abschliessen, da der allseits bekannte Déjà-vu-Effekt - vollmundige Ankündigungen und bescheidene Ergebnisse - solange zu befürchten ist, wie die Auffassungen von der politische Finalität der Union heftig divergieren.
Das heisst im Klartext: auch wenn der Konvent den Weg zu einer europäischen Verfassung ebnet, kann dieser europapolitische Höhenflug bei der nächsten Regierungskonferenz abrupt beendet werden, wenn sich wieder einmal nationale Eitel- und Befindlichkeiten gegenüber eigentlich höher zu veranschlagenden europäische Interessen durchsetzten sollten. Stellt sich die Frage, ob – wenn seit dem 11. September angeblich nichts mehr ist, wie's war – sich vielleicht auch jene o.g. Eitel- und Befindlichkeiten urplötzlich in Schall und Rauch auflösen ?