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Webzine n°79. Oktober 2002

Liebe EUROCIRCLE - PARTNER,

Nach Frankreich hat sich nun auch Deutschland seine Regierung gewählt, wenn auch mit anderer inhaltliche Ausrichtung. Da es aber in den letzten 50 Jahren kurioserweise nie gestört sondern den „Motor Europas“ eher beflügelt hat, wenn die Regierungsparteien aus den verschiedenen politischen Lagern kamen, beglückwünschte Jacques Chirac Gerhard Schröder aufs herzlichste dazu, in den nächsten 4 Jahren eine rot-grüne Koalition anzuführen. Auch Kommissionspräsident Romano Prodi gratulierte und zwar folgendermassen:
Dear Chancellor, dear Gerhard, together with my colleagues of the European Commission, I wish to congratulate you warmly on your personal success and on the success of your coalition in the general elections. I look forward to continuing to work together to achieve in the most positive way for Europe the two crucial challenges immediately ahead of us, namely the enlargement of our Union and the institutional reforms. Our close cooperation is indispensable to the success of the European Union. I look forward to meeting you again soon."
In Bezug auf die Erweiterung zeigte sich die Kommission zuversichtlich, dass, trotz der derzeitigen Kontroverse bei der Agrarpolitik bis Ende Oktober eine einheitliche EU Position zur Erweiterung erreicht werden könne. Trotz Schröders Rambomanieren in den jüngsten Europafragen äußerte er keinerlei Besorgnis vor den anstehenden Verhandlungen.
Für Beobachter aus dem In- und Ausland gab es kaum einen Zweifel, auf wen dieser fulminante Wahlerfolg zurückzuführen ist. "Welcher günstige Wind hat dieser kleinen Partei den Rücken gestärkt", fragte die belgische Zeitung Le Soir, um die Antwort gleich selbst zu geben: "Diese Brise heißt ohne jeden Zweifel Joschka Fischer." Und die spanische Zeitung El País schreckte auch vor großem Pathos nicht zurück. "Außenminister Joschka Fischer rettete nicht nur Schröder", hieß es dort, "sondern er wurde auch zu einer der interessantesten Figuren in der deutschen und europäischen Politik."
Der Wahlsieg Schröders wird nicht nur von dem französischen Grünen Daniel Cohn-Bendit sondern auch von der EUROCIRCLE Redaktion als Chance für Chirac gesehen, mit Deutschland wieder eine Linie in der EU zu finden, um gemeinsam die Antworten der Europäer auf die Herausforderungen der neuen Weltordnung zu formulieren. Und auf die Frage nach der europäischen Vision einer friedlichen Zukunft und der Werte Europas schlechthin, andere Antworten zu finden als die 35-Stunden-Woche oder das Reinheitsgebot bei Bier oder Brie. Will Europa ein weiteres amerikanisches Jahrhundert verhindern, muss es endlich selber etwas tun anstatt zu jammern und nationale Eitelkeiten zu pflegen ! Herzlichst, Ihr