Webzine n°78. September 2002
Liebe EUROCIRCLE - PARTNER,
Die Sommerpause ist vorbei und ihre EUROCIRCLE-Crew
ist schon kräftig dabei, die in der zweiten Jahreshälfte
anstehen Aufgaben anzugehen, so z. B.:
die EC-News 78 – 81 herauszugeben,
Daumen zu drücken für
diverse von uns oder unseren Partnern bei der Kommission
eingereichte Anträge wie:
-
den gemeinsamen Aktionen der Programme Leonardo,
Sokrates und Jugend, in deren Rahmen wir ein grosses
Netzwerk aller wichtigen Akteuren der Jugendberufshilfe
und der Marseiller Strassentheaterscene initiieren
konnten;
- dem Daphne Antrag von Autres Regards,
- dem Media Plus Antrag von Broadbank TV, oder auch
- dem Sokrates Folgeantrag bzw. den Aktionen gegen
soziale Ausgrenzung, die beide von unserem Kooperationspartner
BBJ Italien ausgestellt wurden und in die wir zahlreiche
Partner aus der Region integrieren konnten.
Projekte zu beantragen:
- derzeit arbeiten wir an einem Kultur 2000
Projekt,
- ein ASIA-Urbs Antrag von unseren Freunden vom
BUPNET liegt in den letzten Zügen, deadline
ist der 2. September.
und schliesslich die Projekte umzusetzen:
- In der Realisierungsphase befindet sich
nunmehr die Aktion 2 des EQUAL (Glückwunsch
an das Institut Paoli Calmettes) und
- des LIFE – Projekts, in denen wir uns um die Transnationale
Koordinierung kümmern.
Und
noch was GANZ Neues könnte sich auf die Tagesordnung
drängeln: auf dem 3-tägigen EUROMED-Kongress
im Juni in Marseille, bei dem es um die künftige
Politik aber auch konkrete Projekte im Rahmen des
Aktionsprogramms JUGEND ging, hatten wir die Möglichkeit,
den 400 Teilnehmern aus 27 Ländern ein Modell
einer von uns entwickelte Website zur Partnersuche
vorzustellen. Die Resonanz der Teilnehmer, aber
auch der Offiziellen vieler nationaler Koordinierungsstellen
und der EU-Kommission war mehr als ermutigend, so
dass wir jetzt versuchen werden, mithilfe des Jugendministeriums
und einiger regionaler Verwaltungen eine Anschubfinanzierung
zu Umsetzung zu bekommen.
Last not least wollen wir an dieser Stelle nicht
vergessen, den Verantwortlichen des Conseil Générals
zu danken, allen voran M Jean Noelle Guerini, Antoine
Rouzaud und Bernard Gronlier, für ihr Vertrauen
und ihre Unterstützung, ebenso der Mission
International der Stadt Marseille und dem Conseil
Régional PACA, die unsere zahlreichen Aktivitäten
ebenfalls gefördert haben.
In diesem Sinn verbleibt bis zur Oktoberausgabe
mit den besten Wünschen, Ihr
EUROCIRCLE-Kommentar
Fischlers
Agrarwende: Reförmchen oder Revolution ?
Die
mit der Agenda 2000 begonnene Reform der Europäischen
Landwirtschaft dringt langsam aber stetig zum Kern vor:
weg von der Massenproduktion der Agrarfabriken, hin zu Qualität
und Umweltstandarts.
Pünktlich
zur Halbzeitbewertung der Agenda hat EU-Agrarkommissar Franz
Fischler ein Massnahmepaket eingereicht, dass für die
einen in die richtige Richtung weist oder sogar als ökologische
Wende in der EU-Agrarpolitik bezeichnet wird; andere, wie
die ostdeutschen Agrarfabrikanten oder die französische
Bauernlobby sind entsetzt und verstehen die Brüsseler
Welt nicht mehr:
Will man tatsächlich den zum Prämienschläfer
degradierten Eurobauern, der einen Skandal nach dem anderen
produziert, zum Ökoprinzen wachküssen, sodass
er künftig als nützliches Mitglied der Gesellschaft
sauber-gesunde Lebensmittel produziert, Tiere und Landschaft
pflegt sowie Energiepflanzen als Ölersatz anbaut ??
Kaum zu glauben, aber wahr; hier die Hauptpunkte:
- bisher überwies Brüssel jährlich 30 Milliarden
Euro Direkthilfe an die europäischen Landwirte. Diese
Zahlungen waren an Viehbestand und Anbaufläche gekoppelt.
- stattdessen sollen landwirtschaftliche Betriebe (unabhängig
davon, was und wieviel produziert wird) anfangs mit maximal
300.000 EUR/Jahr subventioniert werden, wenn sich der Landwirt
verpflichtet, künftig Qualitätsstandarts im Umwelt-
und Tierschutz sowie bei der Lebensmittelqualität zu
beachten.
- diese Direktbeihilfen sollen dann jährlich um 3%
gekürzt werden, wobei die gesparten Gelder für
Ökolandbau und Landschaftspflege ausgegeben werden
soll. Standen bislang kaum mehr als 10% des Etats dafür
zur Verfügung sollen die Mittel für diese Politik
verdoppelt werden.
- die bisherige Praxis der Stützungspreise für
Getreide soll gesenkt, später ganz abgeschafft werden
und zwar zu Gunsten einer Prämie für den Anbau
von Energiepflanzen.
- auch die herkömmliche Praxis des Umgangs mit Pflanzenschutzmitteln
wird sich verändern: so sollen rund 60% der seit 10
Jahren im Einsatz befindlichen Pflanzenschutzmittel im nächsten
Jahr aus dem Verkehr gezogen und die Unbedenklichkeitsprüfung
von Wirkstoffen verschärft werden.
Fischlers
Reformpaket ist eigentlich nichts anderes, als das Eingeständnis
des Totalversagens der klassischen europäischen Nachkriegs-Agrarpolitik
mit seinen althergebrachten Instrumentarien wie produktionsbezogene
Prämien und Stützpreisen, der Sicherung der Quantität
statt der Steigerung der Qualität und der Unterordnung
von Tier- und Landschaftsschutz gegenüber Marktinteressen.
Wenn es jetzt gelingt (und zwar höchstwahrscheinlich
gegen den erbitterten Widerstand vieler EU-Regierungen)
, die Agrarwende und damit die Entkoppelung der Subventionen
von Fläche und Viehhaltung durchzusetzen, besteht eine
reale und lang ersehnte Chance
- zur Bauernbefreiung aus der bürokratischen Zwangsjacke,
- zu mehr Wettbewerb in der Landwirtschaft
- zum langsamen Zurückfahren der gewaltigen Subventionen
im Agrarbereich
- der zügigen Umsetzung der ehrgeizigen Erweiterungspläne
- des Anpassens der herkömmlichen Praxis des Ausschüttens
von Agrarsubventionen an die Vorgaben der Welthandelsorganisation.
Denn
das ist klar: Wenn schon jetzt die extrem hohen Agrarsubventionen
als grösste finanzielle Belastung der EU anzusehen
ist, wird das Problem noch gravierender, wenn 2004 die ökonomisch
weitaus schwächeren Beitrittskandidaten die selben
Forderungen stellen. Das sollte eigentlich auch dem selbst
ernannten EU-Motor Deutschland-Frankreich einleuchten; leider
ist dem aber bisher nicht so.
Während anderen Ländern, allen voran Grossbritannien,
die Agrarausgaben trotz der Fischlervorschläge weiterhin
viel zu teuer sind, ist Frankreich strikt gegen jede substantielle
Veränderung der GAP (gemeinsamen Agrarpolitik) zumindestens
bis 2006, einfach deswegen, weil es am allermeisten von
ihr profitiert. Und auch der (noch) amtierenden deutschen
Bundesregierung schlagen zwei Herzen in der Brust:
einerseits begrüsst sie die geplante Ausrichtung der
Förderkriterien, andererseits fürchtet sie – und
das nicht zu Unrecht - gewaltige Subventionseinbussen in
den neuen Bundesländern aufgrund der dort immer noch
vorherrschenden postkommunistischen Strukturen mit ihren
riesigen Betriebseinheiten, die von Herrn Fischler überhaupt
nicht geschätzt werden.