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Webzine n°19. Oktober 1997

Liebe EUROCIRCLE - PARTNER,

Kommt er ? Pünktlich ? Später ? Gar nicht ? Sollte er, oder besser nicht ? Wenn nein, warum nicht ? Und wenn ja , weshalb eigentlich?
Befürworter und Gegner des EUROS wurden in den letzten Wochen und Monaten nicht müde, ihre (mehr oder weniger) schlagkräftigen Argumente unter's europäische Volk zu bringen.
Zur Analyse und Bewertung der Komplexität dieser historisch wohl einzigartigen Vorgehensweise, eine gemeinsame Währung für eine Reihe autonomer Staaten einführen zu wollen, ohne einen adaequaten politischen Background entwickelt zu haben, scheint uns hier nicht der rechte Ort; wohl aber für einige interessante externe und interne Kommentare:
Fred Bergsten, seines Zeichens Finanzberater von US-Präsident Clinton, schätzt ein, daß "die europäische Zentralbank eine stabilitätsorientierte Währungspolitik verfolgen werde, die einen starken EURO garantiere. Dieser könne auf den internationalen Finanzmärkten schnell eine Konkurrenz für den Dollar werden, so daß Europa 5 Jahre nach seiner Einführung wirtschaftlich mit den USA gleichziehen werde."
Auch Japans Premier Hashimoto geht von der pünktlichen Einführung einer "starken europäischen Währung aus, auf die sich derzeit die japanischen Verwaltungen schon einstellen.
Jean-Claude Juncker - Luxemburgs Premier und derzeit Ratsvorsitzender - meint drastisch: "Es gibt keine geordnete Verschiebung, sondern nur das ungeordnete Durcheinander, wenn dies eintritt". EU-Kommissar De Silguy ergänzt: "Der (Maastrichter) Vertrag ist eindeutig: Er erlaubt es nicht, mit der Währungsunion nach dem 1.1. 1999 einzusteigen." Auch Kommissionspräsident Santer ließ auf seiner Halbzeitbilanz keinen Zweifel an seiner Überzeugung der termingerechten Einführung des EURO. Er erklärte barsch "diejenigen Erklärungen (der EURO-Skeptiker), die weiterhin Zweifel sähen, für überflüssig und teilweise sogar verantwortungslos."
Inhaltlich stimmt EUROCIRCLE dem Ratsvorsitzenden Junker zu, wenn er die "Wir-müssen-für-den-EURO-sparen-sonst-wird-die-Währung-weich" Scheindiskussion auf den Boden der "empirischen Hausfrauenerfahrung" -wie er es nennt- herunterholt: "Die Regel ist die, daß man auf Dauer nicht mehr Geld ausgeben darf, als man zur Verfügung hat. Unter allen Müttern - und inzwischen auch allen Vätern - geht die ängstliche Frage um, ob es denn sein kann, daß sich die Eltern verschulden und die Kinder die Schulden zurückzahlen müssen."
Das jahrzehntelange Über-die-Verhältnisse-Leben der Nationalstaaten (Deutschland und Frankreich allen voran) ist EINER von vielen Gründen der derzeitigen Krise; und diesen Tatbestand sollte man tunlichst nicht in irgendeine Relation mit dem Datum der Einführung einer gemeinsamen Währung setzen !
Finden jedenfalls wir und verbleiben aufs herzlichste bis zur Novemberausgabe.

Ihre EC-Redaktion