Webzine
n°25. April 1999
Liebe EUROCIRCLE
- PARTNER,
Die EU-Kommission
ist geschlossen zurückgetreten. Und das zu einem denkbar ungünstigen
Zeitpunkt, inmitten einer äußerst schwierigen Restrukturierungs-
und Entscheidungsphase.
EUROCIRCLE respektiert
bedauernd diese im Sinne des europäischen Demokratieverständnisses
richtige Entscheidung, die wieder einmal belegt, daß es noch langer Zeit,
vieler Arbeit und großer Intelligenz bedarf, das "gemeinsame Haus" Europa
funktionsfähig zu gestalten! Allerdings:
Der Rücktritt
einiger in die Kritik geratener Kommissare war genauso notwendig wie die Kollektivität
des Rücktritts überflüssig! Hätten die Staatschefs der Mitgliedsstaaten
des Recht, auf Empfehlung und mit Genehmigung des EU-Parlaments ihre Kommissare
auszuwechseln, wäre der nationale und parteipolitische Proporz gewahrt
und Europa allerhand erspart geblieben:
- Einige herausragende Persönlichkeiten,
die sich mutig und unauffällig für ein sozialeres und gerechteres
Europa eingesetzt haben, sind aus ihrer komplexen Arbeit herausgerissen worden.
- Diese adaequat zu ersetzen
wird eine langwierige und damit für die steuerzahlenden Bürger Europas
auch eine teure Angelegenheit.
- Sollte eine längerfristige
Blockade wichtiger programmatischer Entscheidungen tatsächlich eintreten,
befürchtet EUROCIRCLE, daß 20.000 Beamte die Weltmeisterschaft im
Däumchendrehen in Brüssel austragen können.
Der Geist einer "interkommissarischen
Solidarität" hätte zu Zeiten der Musketiere durchaus ihren Sinn gehabt;
der Rücktritt "aller für eine(n)" ist heute jedoch genauso abstrus
wie das Vetorecht eines einzelnen Mitgliedstaats bei Grundsatzentscheidungen.
Man bedenke einmal, das Land Bayern oder die Region Auvergne hätte das
Recht, per Veto alle Gesetzesvorlagen ihrer Nationalregierungen zu unterbinden.
Eine Absurdität,
die mit einem funktionierenden Föderalismus nichts zu tun hat !
Begreifen wir also
den Rücktritt erstens als normale Konsequenz, die infolge eines politischen
Fehlverhaltens gezogen werden mußte (Womit die EU erheblich mehr politische
Moral und Feinfühligkeit beweist, als viele Politiker aller Couleur, die
in den Mitgliedsstaaten trotz aufgedeckter Skandale auf ihren Sesseln kleben
bleiben). Zweitens als Chance, die politischen Strukturen - insbesondere, was
die Verantwortlichkeiten der europäischen Gremien betrifft - neu zu definieren
und funktionaler zu gestalten!
In diesem
Sinne verbleiben wir bis zur Maiausgabe
Ihre EC-Redaktion