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n°45. Dezember 1999
Liebe EUROCIRCLE
- PARTNER,
in Ihrer
Hand halten Sie die letze Ausgabe der EC-News, die in diesem Jahrhundert erscheinen
wird. Ein Jahrhundert, das Europa während zweier Weltkriege in Grauen und
Entsetzen stürzte und in dem alle nur denkbaren Staats- und Gesellschaftsformen
anzutreffen waren: Monarchien, Demokratien, Diktaturen, Faschismus und Nationalsozialismus,
Kommunismus und Stalinismus entwickelten sich in ihren jeweiligen historischen
und gesellschaftlichen Bedingungen und lösten einander nach mehr oder weniger
friedlichen Aufständen und Revolutionen ab.
Um so erstaunlicher
ist es heute, im Dezember anno domini 1999, zu konstatieren, daß es sich
bei der übergroßen Mehrheit der europäischen - derzeit mal abgesehen
von Balkan, Bosporus sowie post-bolschewistischen Nachbeben - um eher gefestigte
Demokratien handelt, die sich an den Menschenrechten orientieren und darüber
hinaus (in der Regel) tolerant und friedlich, manchmal sogar solidarisch, wie
die Erdbebenkatastrophe in der Türkei bewies, miteinander umzugehen wissen.
Auch wenn latenter
Rassismus und Nationalismus hier und dort fröhlich Urstände feiern
und dieses Phänomen scheinbar unausrottbarer Bestandteil der europäischen
Durchschnittsgesellschaft von Schweden bis an die Cote d'Azur geworden oder
besser: geblieben ist; auch wenn neue gallische Ressentiments gegen britisches
Rindfleisch mal wieder alte Vorurteile in der dortigen Volksseele aufkochen
lassen und auch wenn so ziemlich jedes deutsch-holländische Fußballspiel
auf Rasen und Tribüne zu revanchistischen Gemetzeln ausartet, so ist es
trotzdem nicht zu bestreiten, daß ein "Europäisches Sein" schon jetzt
real existiert, das - wie Karl Marx einst richtig feststellte - irgendwann auch
mal das Bewußtsein (mit)bestimmen wird.
Gemeinsame Institutionen
wie Parlament, Rat und Gericht, eine gemeinsame Währung, zig-tausende von
der Kommission geförderte transnationale Projekte, Jugend- und Kulturaustausche
sind diesbezüglich fast genauso wichtig wie Championsleague, Eurovision
und Binnenmarkt.
In der Hoffnung,
daß das 21. Jahrhundert in Europa durch die Fortsetzung eines solidarischen
und toleranten Einigungsprozesses bestimmt wird, zu dem wir gemeinsam einen
bescheidenen Beitrag beisteuern, wünscht Ihnen, liebe EUROCIRCLE-Partner,
ein friedliches Weihnachtsfest und einen aufregenden Jahreswechsel ins nächste
Jahrtausend
Ihre EC-Redaktion
PS: letzte Meldung für
alle Kunst- und Kulturbegeisterten: um den 9. Dezember herum -so vernahm EUROCIRCLE
aus internen Kreisen- wird es eine erste Ausschreibung des Programms Kultur
2000 geben. Also: Amtsblatt lesen oder anrufen !