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Leonardo Mobilität: EUROGASTRONOM – ein Ausbildungsprojekt, das benachteiligten Jugendliche erhöhte Berufschancen eröffnet.

Auszubildende werden in der Kiezküchen Cantina des Bildungsmarkts eV , Berlin zu EUROGASTRONOMEN ausgebildet. Seit 2002 integriert Kiezküchen folgende Zusatzqualifikationen in die Berufsausbildung für die Berufe Koch/ Köchin, Restaurantfachfrau/ -mann und Fachkraft im Gastgewerbe:
- Englisch mit Zusatzprüfung mit Zertifikat
- Bis zu drei Auslandspraktika in Britannien, Frankreich, Belgien, Italien mit EUROPASS BERUFSBILDUNG
- Interkulturelle Kompetenzen
Wir bilden mittlerweile im 4. Durchgang 8 Ausbildungsgruppen mit über 100 Auszubildenden in dieser Modellmaßnahme aus.
Im November 2004 wurde im Rahmen unserer Fachtagung „Modernisierung und Internationalisierung der Berufsausbildung“ festgestellt, dass das Projekt Vorreiterrolle einnimmt - insbesondere im Hinblick auf die Neuerungen im Berufsbildungsgesetz, da unsere Auszubildenden bereits bis zu 6 Monate ihrer Ausbildung im Ausland absolvieren.

Im Sept. 2005 und Feb. 2006 haben weitere 24 Auszubildende im 4. Durchgang als Fachkraft im Gastgewerbe und Koch/ Köchin ihre Europaausbildung begonnen. D.h. zum jetzigen Zeitpunkt werden noch 64 Jugendliche zu Eurogastronomen ausgebildet, da im Sommer 2005 und im Winter 2006 der 1. Durchgang mit drei Ausbildungsgruppen zur Prüfung geführt wurde.

Verbesserte Berufschancen durch Zusatzqualifikationen
Eine Besonderheit des Modellprojekts ist es, dass wir mit der Zielgruppe der sog. sozial Benachteiligten arbeiten. Wir stellen unter Beweis, dass auch sog. Benachteiligte durchaus Potentiale hat sich international sprachlich und fachlich zu qualifizieren. Durch ihre Lebens- und Arbeitsbiographie bleibt diese Gruppe mit einem Stigma behaftet. Die Zusatzqualifikationen sollen eine Kompensation bieten, so dass auch unsere Absolventen mit anderen BewerberInnen auf dem Arbeitsmarkt konkurrieren können.
Die Zusatzqualifikationen greifen zwei Anforderungen auf, die in der Gastronomie seit langem vorausgesetzt werden: Englischsprachfähigkeit und Auslandserfahrungen. Die Auszubildenden lernen Englisch nicht nur durchgängig im Unterricht, sondern wenden sie auch in ihrem Berufsfeld in einem Englandpraktikum an. Fachlich können sie sich in der mediterranen Gastronomie qualifizieren: italienische oder französische Spezialitäten. Dabei kommt es auf den Aspekt der fachlichen Kenntnisse und Fertigkeiten durch Originalität und Regionalität der Landesküchen an.

Die Auszubildenden erhalten den EUROPASS MOBILITÄT, indem jedes Auslandspraktikum mit Inhalten nachgewiesen ist. Darüberhinaus haben einige Auszubildenden so hervorragende Leistungen gezeigt, dass sie Prakikumszeugnisse der Betriebe erhalten haben, z.B. von einem 4 Sterne Marriot Hotel in Brüssel.
Zusatzqualifikationen der ersten drei Absolventengruppen:
5 Auslandspraktika absolvierte: 1
4 Auslandspraktika absolvierten:1
3 Auslandspraktika absolvierten: 11
2 Auslandspraktika absolvierten: 8
1 Auslandspraktikum absolvierten: 8

Englisch-Zusatzprüfung in der Gastronomie
Sowohl unsere Initiative im Berufsausbildungsausschuss für eine Genehmigung einer IHK-Zusatzprüfung in Englisch als auch ein Versuch des Oberstufenzentrums Gastgewerbe, eine KMK-Zusatzprüfung in Englisch für die Gastronomie durchzusetzen, blieben bislang ohne Erfolg.
Daher ist Kiezküchen eigene Wege gegangen, um die besonderen Leistungen der Auszubildenden zu zertifizieren. Uns war jedoch wichtig eine Anerkennung dieser Prüfung herzustellen, was uns auf zwei Ebenen gelungen ist:

A. Bei der Entwicklung der Englisch-Prüfung haben wir uns an den Standards von Englischsprachenprüfungen orientiert. Unsere Prüfung entspricht daher dem B1 der Association of Language Testers in Europe und ist von ihren Prüfungsgebieten nach Cambridge Standards ausgerichtet und erreicht das Level PET. Unser Partner in England Totnes European School -eine Englisch Sprachenschule, mit der wir bei den Auslandspraktika kooperieren, konnte uns die genannten Maßstäbe unserer Prüfung mit einem Kurzgutachten bestätigen.

B. Als externe Prüfer konnten wir die Hotelfachschule Berlin mit einer Studienrätin im Fach Englisch und von betrieblicher Seite einen Hotelfachmann, der im Hotel Esplanade im Empfang arbeitet gewinnen. Beide Häuser erklärten sich bereit ihre Mitwirkung an einem ordentlichen Prüfungsablauf mit dem jeweiligen Stempel und Unterschrift auf den Zertifikaten zu bestätigen.

Der Schwerpunkt der Prüfung liegt auf der Kommunikation insbesondere im fachlichen Vokabular der Gastronomie aber auch im allgemeinen Englisch. Am Montag fand der theoretische bzw. schriftliche Teil – Reading, Writing, Listening - und am Dienstag der praktische bzw. mündliche Teil – Speaking - der Prüfung statt.
24 Kandidaten nahmen an der Englisch-Zusatzprüfung teil, 5 stellten sich der Herausforderung nicht, davon absolvierten 3 nur einen Teil (Theorie) der Prüfung.18 Auszubildende haben die Englischprüfung bestanden, 3 sind durchgefallen.

Im Sommer (August) 2005 und Winter (Januar) 2006 absolvierten die drei ersten Ausbildungsgruppen in allen drei genannten Berufen ihre Abschlussprüfung und sind in Beschäftigung eingemündet.
Stand 15.2.2006

Restaurantfachleute
12 Jugendliche haben die Ausbildung begonnen, im Lauf der Zeit waren es durch Nachrückersituationen 14 (davon 10 junge Frauen). Davon wurden 6 Auszubildende während der Ausbildung gekündigt. 7 bestanden ihre Ausbildung. Eine verschiebt ihren Ausbildungsabschluss wegen Elternzeit. Davon wurden 5 sofort im erlernten Beruf in Beschäftigung vermittelt. Drei davon ins Ausland: Schweiz und Lateinamerika.

Köche
12 Jugendliche haben die Ausbildung begonnen (davon 3 junge Frauen). Während der Ausbildung kam es zu 3 Kündigungen. Eine entschied nachdem der Prüfungsabschluss misslang, nicht die Prüfung zu wiederholen. Sie arbeitet jetzt im Einzelhandel. 5 bestanden ihre Prüfung und sind direkt nach Abschluss in Beschäftigung im erlernten Beruf vermittelt worden. Einer davon in einem Hotel in Neuseeland. 3 sind derzeit noch in der Ausbildung , um die Prüfung zu wiederholen. Einer davon weil er krankheitsbedingt seinen Abschluss verschieben musste.

Fachkraft im Gastgewerbe
14 Jugendliche haben die Ausbildung begonnen (davon 3 junge Frauen). Davon wurden 4 während der Ausbildung gekündigt. 9 haben mittlerweile die Prüfung bestanden. Davon sind 6 in Beschäftigung, 5 davon im erlernten Beruf, 2 davon in der Ausbildung zum Koch. Ein Absolvent hat eine weiterführende Schule (Victor Klemperer-Kolleg: Abitur) begonnen. 3 sind derzeit arbeitssuchend: Eine davon ohne Berufsabschluss, da sie sich entschieden hat, die Prüfung nicht zu wiederholen. Einer davon sucht ganz konkret in Irland nach Arbeit in der Gastronomie.


Fazit
Erste Ergebnisse des 1. Durchgangs (drei Ausbildungsgruppen in den Berufen Köche, Restaurantfachleute, Fachkräfte im Gastgewerbe) liegen vor: 40 Auszubildende haben die Ausbildung zum EUROGASTRONOM begonnen, 13 haben abgebrochen, fast alle davon wurden aufgrund von massiven Anwesenheitsproblemen gekündigt. Die allermeisten davon hatten das Potential und fachlich wie sprachlich die Leistung gezeigt, haben aber durch ihre Disziplinlosigkeit letztlich ihren Ausbildungsplatz verloren. 2 haben die Ausbildung wegen Krankheit und Erziehungszeit verlängert, d.h. spätere Prüfung.
Den Berufsabschluss haben 21 (davon 8 junge Frauen)erreicht. 2 haben die Prüfung verschoben (s.o.), 2 wiederholen die Prüfung zum zweiten Mal. 2 haben entschieden, nicht zu wiederholen, und gehen ohne Berufsabschluss ab.
Vermittelt sind: 18, davon 12 im erlernten Beruf, zwei in der betrieblichen Ausbildung als Koch aufbauend auf ihre Fachkraftausbildung, 2 sind berufsadäquat in der Dienstleistung beschäftigt, 1 besucht eine weiterführende Schule.
Im Ausland arbeiten wollen 5, davon sind 4 bereits dort beschäftigt und 1 sucht noch.
Arbeitssuchend sind insgesamt: 5.

Das zentrale Ziel des Projekts die Berufschancen zu erhöhen wird durch die ersten Ergebnisse bestätigt. Ein Großteil der AuslernerInnen ist bereits zu diesem Zeitpunkt kurz nach der Prüfung in Beschäftigung eingemündet. Eine Besonderheit ist zudem, dass einige Absolventen in sehr hochstehende gastronomische Arbeitsfelder (SAS/ Radison und Maritim Hotel) einmünden konnten, was uns in der Regel mit dieser Zielgruppe selten gelingt. Außerdem konnten bereits 3 Auszubildende aus den nochlaufenden Berufsausbildungen des 1. und 2. Ausbildungsjahres in betriebliche Ausbildung vermittelt werden. Eine Tatsache, die wir nicht nur dem derzeit positiven Arbeitsmarkt des Hotel- und Gastgewerbes in Berlin zuschreiben, sondern auch der Leistungsfähigkeit der Auszubildenden, die durch das Projekt gefördert wird.
Die Berufsabschlussquote liegt im Bereich der üblichen Erfahrungen und Quoten, die wir mit dieser Zielgruppe, d.h. jedoch auch mit den integrierten Zusatzqualifikationen dieses Projekts überfordern wir die Zielgruppe nicht. 15 Auszubildenden haben ihre Prüfung sofort bestanden, 6 im 2. Anlauf.